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Hellmut von Cube

Mein Leben bei den Trollen

Leseprobe

Nachwort der Neuauflage

 

Als „Meister des Feuilletons" wurde Hellmut von Cube bezeichnet, war es doch vor allem diese literarische Gattung, die ihn bekannt machte. Sie erfordert eine außerordentliche Beobachtungsgabe sowie einen pointierten Schreibstil – beides Fertigkeiten, die Cube auch beim Verfassen seines Buches „Mein Leben bei den Trollen" einsetzte. Die literarische Kritik dankte es ihm, die beschriebenen Trolle weniger.

Johann Lachner bezeichnete „Mein Leben bei den Trollen" in der „Süddeutschen Zeitung" vom 30. Dezember 1967 als das „am eindeutigsten beste Buch" von Hellmut von Cube. Der Autor fasziniere den Leser, „indem er mit scharfer, aber liebevoller Beobachtung das Wesen der Bergbauern in einem abseitigen Südtiroler Hochtal beschreibt. Er hat an ihrem Leben teilgenommen, er erfährt es bis in die kleinsten Nuancen und hält es in großartiger Einfachheit und Charakterisierungskunst fest. Dieses Buch hat die Kraft eines Dokumentes. Es verschafft einen eigenartigen Genuss und macht nachdenklich".

Dreimal wurde das Buch bisher aufgelegt: 1961 erschien es erstmals im Münchner Biederstein Verlag, 1969 wurde es dort in zweiter Auflage veröffentlicht und 1981 im Fischer Taschenbuchverlag als Lizenzausgabe herausgegeben. Der Ort der Handlung blieb dabei immer unerwähnt. Nur im Schnalstal wusste man, dass Cube mit seiner Frau am Finailhof den Sommer verbracht hatte und wer also die Trolle Virgil, Agnes, Karoline, Konrad und Walpurga wirklich waren. Obwohl Cube sämtliche Namen geändert und die im Buch vorkommenden Ortsnamen frei erfunden hatte, erkannten sich die Betroffenen wieder, und auch im Tal ging bald die Rede davon. Als Schriftsteller nutzte Cube natürlich seine künstlerische Freiheit: Er schmückte aus, überzeichnete und verfremdete. Wie Josef Hendricks in seinem Buch „Schnals. Aus Geschichte und Gegenwart eines Südtiroler Hochgebirgstales" schreibt, hat Cube „über manches geschrieben, was den Schnalsern nicht in jeder Beziehung gefällt". Hendricks räumt aber ein, dass Cube stellenweise der Realität sehr nahe komme.
Geärgert haben sich die Finailer – und natürlich auch die übrigen Schnalser – vor allem darüber, dass Cube sie als „Trolle", also als nordische Waldgeister, bezeichnet hat. Wer hingegen auch nur ein wenig italienisches Blut in den Adern hatte, war bei Cube ein „Phäake". Nun sind die Phäaken ein Volk der griechischen Sage, das auf der Insel Kerkyra gewohnt hat und sehr gastfreundlich gewesen sein soll. Odysseus nahmen sie in Ehren auf und es war die Tochter des Inselkönigs, die dem griechischen Sagenhelden nach zwanzigjähriger Irrfahrt zur Rückkehr in seine Heimat verhalf. Im übertragenen Wortsinn wird der Begriff „Phäaken" benutzt, um geruhsame und sorglose Genießer zu bezeichnen. Während also die Anfang der Sechzigerjahre in Südtirol doch wenig geliebten Italiener bei Cube gut wegkamen, bezeichnete er seine Gastgeber als Trolle! Diese Sagengestalten der germanischen Mythologie treten mal in Riesen-, mal in Zwergengestalt auf, sind mal spitzbübische Zauberwesen und mal schadenbringende Geister. Je nach Laune helfen sie den skandinavischen Bauern, denen sie begegnen, oder spielen ihnen üble Streiche.
Anscheinend hat Cube auch die Südtiroler Bergbauern als ein bisschen zwielichtig, zwischen übel- und wohlgesinnt schwankend erlebt, deren Laune und Zuneigung man sich erst erwerben muss. Dass dies bei den stolzen Bewohnern des Finailhofes als Kränkung empfunden wurde, ist nachvollziehbar. Schließlich kann man dort heute noch Napf und Essbesteck Friedrichs mit der leeren Tasche bewundern, der auf seiner Flucht vom Konzil zu Konstanz im Jahr 1414 auf Finail gastlich aufgenommen worden war. Doch die Finailer hätten die Sache auch anders betrachten können: Mit Cube hat der Hof auch Eingang in die Welt der deutschsprachigen Literatur gefunden.

Der Interpretationen gibt es allerdings viele. So verweist Josef Rampold in seiner landeskundlichen Betrachtung des Vinschgaus auf Cubes „Mein Leben bei den Trollen" und zitiert das Buch als frühes Zeugnis für den Urlaub auf dem Bauernhof. Das harte Leben der Bergbauern befand sich gerade in den Sechzigerjahren im Umbruch. Der Finailhof, auf 1973 m gelegen und somit lange Zeit höchster Kornhof Europas, stellte auf die Viehwirtschaft um, hieß es doch beim Getreideanbau jährlich das durchs Pflügen und durch die Erosion gen Tal gerutschte Erdreich wieder hinaufzubringen. Es verwundert daher nicht, dass man im Schnalstal früher als anderswo die Beherbergung von Gästen als wichtigen Nebenerwerb aufgefasst hat. Und Cube gibt darüber satirisch und in verschlüsselter Form Auskunft. Insgesamt ist Rampold voll des Lobes: „Cube gibt ein treffendes, objektives und zuweilen auch recht desillusionierendes Bild von den Trollen (Schnalstalern), die sich zum Überleben in einer unsagbar harten Welt nicht allein ihres Fleißes, sondern auch ihrer Wendigkeit und Schlauheit bedienen; der Verfasser hat Cubes Buch mit Vergnügen gelesen und empfiehlt diese Lektüre durchaus. Cube hat die Schnalser gut beobachtet und mit viel Witz und Geist dargestellt, er hat sie sicher auch gern gemocht – aber die Liebe zu diesen Menschen blieb ihm als Fremdem versagt." Wenn es stimmt, dass Cube sich nach der Veröffentlichung seines Buches gar nicht mehr ins Tal wagen durfte, dann blieb ihm wohl auch die Liebe der Bewohner versagt. Dabei zog es das Ehepaar Cube jedes Jahr für zwei Monate in die Berge, entweder ins Wallis oder nach Südtirol.

Hellmut von Cube wurde am 31. Dezember 1907 als Sohn eines Arztes in Stuttgart geboren. Seine Kindheit und Schulzeit verbrachte er am Tegernsee, in München und in Stuttgart. Er studierte in Berlin und München Germanistik, schloss sein Studium jedoch nie ab, und lebte ab 1932 als freier Autor in Holland, Italien, Frankreich, Estland, der Schweiz und in Oberbayern. 1935 debütierte er mit seinem „Tierskizzenbüchlein" beim S. Fischer Verlag in Berlin. 1948 ließ er sich in München nieder und arbeitete als Literaturkritiker und vor allem als Feuilletonist für verschiedene Zeitungen und Rundfunksender. Verheiratet war er mit der Anglistin und Übersetzerin Nanette, der Tochter des Historikers Karl Brandi. Im Laufe seines Lebens schuf Cube vierzig eigene Hörspiele beziehungsweise Hörspielbearbeitungen und verfasste zahlreiche Bücher, unter anderem „Bestiarium humanum" (1948), „Reisen auf dem Atlas" (1950) und „Pilzsammelsurium" (1960). Außerdem gibt es zahlreiche Kinderbücher aus seiner Feder. 
Neben dem Ernst-Hoferichter-Preis erhielt Cube 1963 den Literaturpreis der Stadt München. Der damalige Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel würdigte Cube in seiner Laudatio als einen Autor, der „liebevolle Präzision mit Humor und gelegentlicher Selbstironie verbindet, der Freude an der Sprache hat und manchmal ins extrem Verspielte gerät, ohne je hämisch oder absurd zu werden".
„Ich hänge sehr an der Sprache", sagte Cube von sich selbst und bekannte, dass ihm über einem Satz tüftelnd oft ein ganzer Nachmittag verging.
Hellmut von Cube starb am 9. September 1979 in München.

 

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Zeichnung von Herbert Rosendorfer für die Neuauflage

Recensioni:

Ein satirisch-ethnografisches Porträt der Südtiroler Bergbauernwelt.

ff - Südtiroler Wochenmagazin

 

Eine unterhaltsame Schilderng der Lebensumstände, der Gedanken und Charaktere der Bergmenschen.

Dolomiten

 

Zur Erstausgabe:

 

Hellmut von Cubes "Mein Leben bei den Trollen" gefressen und genossen. Ein bei uns viel zu wenig bekanntes Buch.

Claus Gatterer, Tagebucheintrag 22. Jänner 1983

 

Habe Cubes Buch mit Vergnügen gelesen und empfehle diese Lektüre durchaus. Cube hat die Schnalser gut beobachtet und mit viel Witz und Geist dargestellt, er hat sie sicher auch gern gemocht – aber die Liebe zu diesen Menschen blieb ihm als Fremdem versagt.

Josef Rampold, Südtiroler Landeskunde Vinschgau

 

Das am eindeutigsten beste Buch von Hellmut von Cube. Dieses Buch hat die Kraft eines Dokumentes. Es verschafft einen eigenartigen Genuss und macht nachdenklich.

Johann Lachner, Süddeutsche Zeitung


 

Hellmut von Cube ist einer der selten gewordenen Schriftsteller poetisch-ironischer Prägung.

Raoul Henrik Strand

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Mein Leben bei den Trollen

Mit einem Vorwort von Herbert Rosendorfer

 

Derzeit nicht verfügbar

Prezzo Copertina: Euro [D/A] 19; [I] 17,90
Hardcover
12,5 x 19 | 212 Seiten
ISBN: 978-88-7283-321-6
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